Monday, November 9, 2009

Der 9. November

Auch hier sind die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestags des Mauerfalls heute ein großes Thema, auch wenn Obama nur Hillary nach Berlin geschickt hat. In Washington taucht die Mauer und was dazu gehört auch an verschiedenen Stellen auf.

Ein Stück der Original-Mauer zu haben, scheint hier auch weiterhin eine Attraktion zu sein und so stehen die Mauerteil an verschiedenen Stellen in der Stadt, insbesondere aber im Newseum, dem neuen Museum für Mediengeschichte.

Wie könnte es in diesem Land anders sein, auch der Trabi erfreut sich hier großer Beliebtheit.

Auch in den Medien gab es am Wochenende Erwähungen des großen Ereignisses, aber keine ausfürhlichen Dokumentationen oder Sendungen, was sicher hilfreich gewesen wäre, denn ich glaube die meisten Amis wissen nicht viel mehr als dieses einfache Bild des Mauerfalls und des Sieges über den Kommunismus.

Das Goethe-Institut hat eine sehr interessante, vom Defa-Institut in Amherst, Massachusetts, orgnaisierte Filmreihe, von denen mich zwei besonders fasziniert haben. "Die Architekten", im Herbst 1989 noch in der DDR gedreht und "Flüstern & Schreien"eine DEFA Dokumentation über die Punk-Musikszene in der DDR der 80er Jahre.

Mit Abstand das Beste war aber die (auch übers Internet zu empfangende) allabendliche Tagesschau vor 20 Jahren, ein unglaublich eindrucksvolles Zeitdukoment mit vielen Details, an die ich mich nicht mehr erinnert hätte und aus einer Perspektive, die Geschichte viel besser erfahren lässt als in jeder Doku. Wir werden sie nach der letzten Folge heute abend vermissen.

Sunday, November 8, 2009

Ein großer Schritt für Obama

Gestern morgen auf dem Weg zum Fischmarkt gab es auf einmal eine Straßensperre an der Pennsylvania Avenue.

Da fiel uns ein, dass Obama am Samstag in den Kongreß wollte, um für das Gesundheitsreformgesetzt zu werben. Eine ganz schön aufwändige Aktion für einen Präsidenten, eine so kurze Strecke durch die Stadt zu fahren. Aber viele Passanten (wir eingeschlossen) waren natürlich begeistert, seine Wagenkolonne zu sehen und behaupten zu können, ihn gesehen zu haben (was natürlich nicht möglich ist).

Die armen Repräsentanten mussten dann noch einen ganzen langen Tag diskutieren, was schon über Monate rauf und runter diskutiert worden war, aber um kurz nach 23 Uhr kam es tatsächlich zur Abstimmung, die wir durch Zufall live auf C-Span (dem hießigen Phoenix-Programm) verfolgen konnten und Nancy Pelosi konnte zu Recht mit Stolz das positive Ergebnis verkünden (das Bild hier ist leider nicht das gestrige Ergebnis, aber so sieht es im TV aus)

Wir gingen daraufhin ins JR's anstoßen, obwohl die eigentlich schwierige Abstimmung im Senat noch folgen muss, wo die Demokraten eine so knappe Mehrheit haben, dass sie alle demokratischen Stimmen benötigen. Auch wenn das gestern abgestimmte Gesetzt nicht gerade revolutionär ist, die gestrige Mehrheit (neben vielen anderen Zugeständnissen für konservative Demokraten) nur mit einem Zugeständins für Abtreibungsgegener erkauft werden konnte, ist es doch ein großer Schritt in Richtung einer Krankenversicherung für alle US-Bürger und somit ein großer Sieg für Obama.

Tuesday, November 3, 2009

Endlich mal wieder Election Day

Aber ertsmal gab's ein anderes Highlight, für mich leider zur Arbeitszeit, aber die Journalistentribüne hinter ihr war gut besetzt. Was ein Spiegel-Kommentator als große, persönliche und visionäre Rede beschrieb, kann man aber auch als Anbiedern an die US-Ideologie sehen. Ich sehe den American Dream auf jeden Fall nicht als das beste, gerechteste Gesellschaftsmodell. Merkels Rede kam hier übrigens in den Abendnachrichten nicht vor.

Der Abend war dafür von den verschiedensten Wahlen bestimmt, die hier immer am ersten Dienstag im November stattfinden. Nach der großen Wahl vor einem Jahr, ging es heute aber nur um zwei Gouverneurswahlen, eine Repräsentantenhausnachwahl, verschiedenste Bürgermeister- und Kommunalwahlen (auch in New York) und eine Abstimmung über die Homo-Ehe in Maine. Auch in meinem Arbeitsstaat Virginia wurde der Gouverneur gewählt und eine der zur Wahl stehenden Abgeordneten wollte gerne in den deutschen Blog kommen.

Da die Bundesstaatsregierungen trotz des starken Föderalismus keinen direkten Einfluss auf die Bundespolitik haben (die wird über die 2 Senatoren pro Staat ausgeübt) wurde über Stunden darüber diskutiert, ob die Wahlen auch eine Abstimmung über Obama waren. Was man auf jeden Fall sagen kann: Das was Obama gelungen war, nämlich junge und schwarze Wählerinnen für Wahlen (und vielleicht Politik) zu begeistern, konnte nicht fortgesetzt werden. Eigentlich erstaunlich bei so gut durchgeplanten Wahlkämpfen, dass dies nicht zumindest mehr versucht wurde. Aber so war es heute irgendwie doch eine Abstimmung über Obama, die gezeigt hat, dass er einfach ein toller Typ ist und eine außerordentlich gute Kampagne geführt hat.
Und in diesem Moment, mehr als zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale kommt nun die Meldung, dass die Republikaner nicht nur (wie erwartet) Virginia sondern auch New Jersey gewonnen haben...

Saturday, October 31, 2009

Hat sich was geändert?

Eine immer wieder gestellte Frage, sowohl hier unter AmerikanerInnen als auch aus Deutschland ist die, ob man eigentlich merkt, dass sich durch Obama's Präsidentschaft etwas geändert hat. Ich bin immer überrascht, wie skeptisch und kritisch viele hier sind und es fällt ja tatsächlich schwer, konkrete Veränderungen zu benennen. Eines hat sich aber m.E. doch extrem geändert: Der Stil, mit dem Obama Politik betreibt und die vielen symbolischen Akzente, die er setzt. Und seine Aktion diese Woche war eine der für mich bisher eindrucksvollsten.

Es ist manchmal schwer zu ertragen, mit welcher Selbstverständlichkeit Krieg hier als Mittel zur Lösung von Konflikten gesehen wird. Und dazu gehört auch der nicht nur selbstverständliche, sondern meist verehrende Umgang mit Soldaten. Oft sagen wildfremde Menschen zu Soldaten, die sie auf der Straße treffen: Thank you for your service. Damit machen sie es sich sehr einfach, denn die meisten Soldaten dienen ja nur aus finanziellen Gründen. Hatte die Armee vor zwei Jahren noch große Rekrutierungsprobleme, hat sich das durch die Wirtschaftskrise nun alles gelöst.
Obama hat es sich da schon etwas schwerer gemacht und ich bin überrascht, wie sehr mich das Bild vom Präsidenten vor den ankommenden Särgen der Soldaten beeindruckt hat. Seine politische Entscheidung in Bezug auf Afghanistan wird wahrscheinlich nicht so anders sein, aber immerhin scheint sie überlegter und verantwortungsvoller zu sein.

Monday, October 26, 2009

Herbstprogramm

Welch schockierende Entdeckung beim Blick aus dem Fenster am Samstagmorgen:

Dabei war es so praktisch, in Hausschuhen über die Straße gehen zu können, um das Abendprogramm spontan zu bestimmen. Ob wir jetzt zur Konkorrenz Netflix wechseln? Ein Internet-Anbieter, bei dem man sich bequem zu Hause seine Filme aussucht und sobald man den gesehenen zurückschickt, den nächsten zugesandt bekommt.
Aber zum Glück ist das kulturelle Programm in der Hauptstadt so umfangreich, dass wir das (noch?) nicht nötig haben. Sei's das schwul-lesbsiche Filmprogramm oder kostenlose Kammermusikabende in der Library of Congress.

Oder das Verdi-Requiem in der National Cathedral, die so groß ist, dass die Musiker für den hinteren Teil auf Leinwänden übertrage wurden - nicht nur angenehm. Lecker dafür die anschließende Apfelprobe bei einem Mitsänger, dessen Mitbewohner sich auf das Erforschen der verschiedensten Apfelsorten spezialisiert hat. Von den einst 18.000 um 1900 gibt es heute nur noch 6.000. Und um die leckersten zu finden braucht man eindeutig einen Spezialisten.

Das beste Alternativprogramm zu Blockbuster ist aber der Indian Summer, wobei es immer nicht so einfach ist, die Stellen zu erwischen, an denen er gerade auf dem Höhepunkt ist.

Was hier wie die Schlossbrücke aussieht, ist tatsächlich auch eine.

Auf der Rückfahrt gabs dann (nicht nur) leckere Apfelsorten zu kaufen.

Und wo könnte man einen gelungen Wandertag besser beenden als beim Blue Cheese Burger im Hotel Strasburg in Strasburg, Virginia, das 1761 von einem Mannheimer gegründet wurde?

Wednesday, October 14, 2009

Die Eltern bei Obama zum Frühstück

So war die Reise angekündigt und wie man sehen kann, war nicht nur Michelle sehr erfreut über den Besuch.

Die anderen Sehenswürdigkeiten eignen sich aber auch immer gut für die Erinnerungsfotos und nach vielen gelaufenen Meilen merken alle Besucher dann doch, dass es gut ist, länger als einen Tag in Washington zu bleiben.

Auch für uns wieder neue Sehenswürdigkeiten. Diesmal das noch frische Grab des dritten Kennedey Bruders, der nun auch auf dem rießigen Arlington Cemetery liegt. Auch für ihn gibt es nur ein schönes schlichtes Kreuz, wie für Bruder Robert und nicht wie für den Präsidenten ein ewiges Feuer.

Abends dann die vertrauten Stärkungsmöglichkeiten.

Auch kulturell gibt es in der Hauptstadt immer einiges zu erleben.

Vor allem und mit besonderer Freude beim amerikanischen Essen, dass uns jetzt nach den intensiven Tagen wieder zu mehr Yoga und Laufen motiviert...

Saturday, October 10, 2009

Jury-Entscheidungen aus US-Sicht

Die letzten Tage haben wieder interessante Einblicke gebracht, wie unterschiedlich man die Welt sehen kann. Zunächst war da die Entscheidung zum Austragungsort der Olympischen Spiele 2016. Vor- und nachher wurde hier hauptsächlich diskutiert, ob es gut ist/war dass Obama persönlich nach Kopenhagen geflogen ist.

Nach der Entscheidung wurde dann aber in allen (auch den seriöseren) Medien auf das korrupte IOC Kommitee eingedroschen. Sicherlich mag das IOC korrupt sein, aber dass Südamerika vielleicht auch mal an der Reihe ist, nachdem die USA schon zig-male den Austragungsort stellen durften, wurde nicht als legitimer Entscheidungsgrund in Erwägung gezogen.
Andere Gründe sind natürlich noch wahrscheinlicher...

Dann wurde eine Woche lang jeden Tag besonders hervorgehoben, dass auch dieses Jahr die meisten Nobelpreise an US-Amerikaner gingen. Bis zum Literatur-Nobelpreis. Da hieß es dann auf einmal, dass das Nobelpreis-Kommitee ja sehr eurozentristisch sei und es wurde aufgezählt, dass es eigentlich viele andere wichtige Literaturpreise gäbe (alle die natürlich, die hauptsächlich von Amis gewonnen wurden).
Ich habe mich dafür besonders gefreut, dass wir schon damals auf unserer Rumänienreise diese interessante Autorin gelesen haben. (Wer erkennt den Straßenbahnwagen in ihrer Heimatstadt?)

Und dann die Krönung aller Preise am Freitag morgen um 5 Uhr Orstzeit. Schon ganz beeinflusst von der US-Sicht war auch ich zunächst sehr skeptisch, ob das eine gute Entscheidung war. Inzwischen glaube ich aber, dass sie gut ist, freue mich für Obama und hoffe, dass sie ihm neue/weitere Energie gibt, für den "Change" zu kämpfen, den er eigentlich versprochen hat, auch wenn er sicher nicht so aussehen wird, wie ich mir das wünschen würde.
Aber bei der unterschiedlichen Bewertungen dieses Preises zeigt sich am deutlichsten die unterschiedliche Sicht auf die Welt und wie Politik für eine bessere Welt aussehen kann. Es zeigt sich aber eben auch, welche politischen Ziele mit solchen Preisen verbunden sind. Und wie gut, dass der Nobelpreis von Europäern vergeben wird.